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Werke von Goethe

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Die Leiden des jungen Werther
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Sie beschäftigte sich, einige Spielwerke in Ordnung zu bringen, die sie ihren kleinen Geschwistern zum Christgeschenke zurecht gemacht hatte. Er redete von dem Vergnügen, das die Kleinen haben würden, und von den Zeiten, da einen die unerwartete Öffnung der Tür und die Erscheinung eines aufgeputzten Baumes mit Wachslichtern, Zuckerwerk und äpfeln in paradiesische Entzückung setzte.-  -  "Sie sollen," sagte Lotte, indem sie ihre Verlegenheit unter ein liebes Lächeln verbarg, "Sie sollen auch beschert kriegen, wenn Sie recht geschickt sind; ein Wachsstöckchen und noch was."-  -  "Und was heißen Sie geschickt sein?"rief er aus;
 
"wie soll ich sein? Wie kann ich sein? Beste Lotte!"-  -  "Donnerstag abend," sagte sie, "ist Weihnachtsabend, da kommen die Kinder, mein Vater auch, da kriegt jedes das Seinige, da kommen Sie auch-  -  aber nicht eher."-  -  Werther stutzte.-  -  "Ich bitte Sie," fuhr sie fort, "es ist nun einmal so, ich bitte um meiner Ruhe willen, es kann nicht, es kann nicht so bleiben."-  -  Er wendete seine Augen von ihr und ging in der Stube auf und ab und murmelte das "es kann nicht so bleiben!" zwischen den Zähnen.
 
  • -Lotte, die den schrecklichen Zustand fühlte, worein ihn diese Worte versetzt hatten, suchte durch allerlei Fragen seine Gedanken abzulenken, aber vergebens.--"Nein, Lotte," rief er aus, "ich werde Sie nicht wiedersehen!"--"Warum das?" versetzte sie,

"Werther, Sie können, Sie müssen uns wiedersehen, nur mäßigen Sie sich. O warum mußten Sie mit dieser Heftigkeit, dieser unbezwinglich haftenden Leidenschaft für alles, was Sie einmal anfassen, geboren werden! Ich bitte Sie," fuhr sie fort, indem sie ihn bei der Hand nahm, "mäßigen Sie sich! Ihr Geist, Ihre Wissenschaften, Ihre Talente, was bieten die Ihnen für mannigfaltige Ergetzungen dar! Sein Sie ein Mann, wenden Sie diese traurige Anhänglichkeit von einem Geschöpf, das nichts tun kann als Sie bedauern."
 
  • -  Er knirrte mit den Zähnen und sah sie düster an.-  -  Sie hielt seine Hand. "Nur einen Augenblick ruhigen Sinn, Werther!" sagte sie. Fühlen Sie nicht, daß Sie sich betriegen, sich mit Willen zugrunde richten! Warum denn mich, Werther? Just mich, das Eigentum eines andern? Just das?

 
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